Wärmepumpen in Berlin: Zubau zieht an – Herausfordernd bleiben die Koordination mit Netz, Genehmigungen und der Bestand

Eine Schriftliche Anfrage der Linksfraktion zeigt: Der Zubau an Wärmepumpen in Berlin steigt deutlich – zugleich berichten Bezirke und landeseigene Akteure über Netzkapazitätsprobleme, hohe Systemtemperaturen im Bestand, Genehmigungs- und Personalengpässe sowie fehlende durchgängige Koordination.

Kurzüberblick

  • Bestand & Zubau: Stromnetz Berlin schätzt den Wärmepumpenbestand aktuell auf ca. 17.900 Wärmepumpen; der gemeldete Zubau stieg von 800 (2022) auf 3.534 (2025). 
  • Datenlage: Der Senat nennt Zensus 2022, Marktstammdatenregister und Meldungen an den Netzbetreiber als Quellen; ein Wärmepumpen-Monitoring ist erst „in Vorbereitung“. 
  • Koordination mit Wärmeplanung: Eine Verschneidung der Daten von Stromnetz Berlin (SNB) mit Wärmeversorgungsgebieten des Wärmeplans ist aktuell nicht möglich. 
  • Koordination mit Stromnetz (Praxisbild): Aussagen von Bezirken und Landeseigenen Wohnungsunternehmen zur Zusammenarbeit mit SNB reichen von „bei allen Anlagen erforderlich“ bis „bisher keine Koordination“ – je nach Bezirk/Akteur. 
  • Hürden: Netzanschluss/Leistungserhöhung, hohe Kosten, Lärm/TA Lärm, Denkmalschutz, Genehmigungen (v. a. Geothermie), Fachkräftemangel und fehlende Mittel werden wiederholt genannt.

Wie läuft die Koordination mit Stromnetz Berlin, Wärmeplanung und Berliner Stadtwerken

Die Antworten in der Schriftlichen Anfrage zeichnen ein ausgesprochen heterogenes Bild zur Frage, wie Wärmepumpenprojekte in Berlin mit dem Netzbetreiber Stromnetz Berlin sowie mit der Wärmeplanung und möglichen Contracting-Partnern koordiniert werden. In mehreren Bezirken findet eine Abstimmung mit Stromnetz Berlin nur anlass- bzw. einzelfallbezogen statt – etwa in Form von Kapazitätsabfragen oder Hinweisen im Rahmen konkreter Vorhaben. Einzelne Bezirke berichten sogar, dass bislang keine Koordination mit dem Netzbetreiber erfolgt oder dass keine projektbezogene Begleitung stattfindet. Andere Bezirke gehen restriktiver vor: Reinickendorf etwa gibt an, Projekte vorab mit Stromnetz Berlin abzustimmen und im Zweifel – sofern keine ausreichende Anschlusskapazität verfügbar ist – von der Umsetzung abzusehen. Die Anfrage zeigt damit: Es gibt derzeit keine einheitliche, berlinweit standardisierte Praxis, wann und wie Netzanschlussfragen, Leistungserhöhungen und Kapazitätsprüfungen in die Projektplanung integriert werden.

Zugleich wird deutlich, dass die Datenlage und Verknüpfbarkeit der Informationen noch begrenzt ist. Zwar nennt der Senat verschiedene Datenquellen (u. a. Zensus 2022, Marktstammdatenregister, Meldungen an den Netzbetreiber), doch eine systematische Auswertung im Sinne eines Wärmepumpen-Monitorings ist erst „in Vorbereitung“. Besonders relevant ist dabei, dass nach Auskunft des Netzbetreibers eine Verschneidung der von Stromnetz Berlin erhobenen Wärmepumpendaten mit den Wärmeversorgungsgebieten aus dem Berliner Wärmeplan aktuell nicht möglich ist. Damit fehlt bislang eine durchgängige, planungspraktische Brücke zwischen dem tatsächlichen Wärmepumpenhochlauf und der strategischen Wärmeplanung.

Auch bei der Einbindung der Berliner Stadtwerke bzw. von Contracting- und Kooperationsmodellen zeigt die Anfrage eine große Bandbreite. Teilweise wird berichtet, dass eine Zusammenarbeit nicht vorgesehen ist oder nicht stattfindet, in anderen Fällen werden konkrete Projekte, Pilotansätze oder Wärmeversorgungskonzepte benannt. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass sich die Koordination zwischen Netz, Wärmeplanung, landeseigenen Akteuren und Bezirken zwar entwickelt, aber noch nicht als konsistentes, verlässliches „System“ etabliert ist – und dass damit für Projektträger weiterhin Unsicherheiten in Zeit, Kosten und Umsetzbarkeit verbunden sind.

Herausforderungen aus Sicht der Bezirke und landeseigenen Akteure

Bei den geschilderten Herausforderungen verdichtet sich ein wiederkehrendes Muster: Für den erfolgreichen Einsatz von Wärmepumpen sind in Berlin nicht nur technische Entscheidungen im Gebäude erforderlich, sondern vor allem verlässliche Rahmenbedingungen in Netzanschluss, Genehmigung und Projektsteuerung. Mehrfach wird auf begrenzte Netzkapazitäten und die Folgen für Wirtschaftlichkeit und Umsetzung verwiesen. Ein Bezirk schildert beispielsweise, dass für eine geplante Großwärmepumpe die Anschlusskapazitäten nicht ausreichten und der erforderliche Netzausbau so erhebliche Mehrkosten ausgelöst hätte, dass ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr darstellbar gewesen sei. Zusätzlich werden Fragen der Leistungserhöhung und der zeitlichen Verfügbarkeit der entsprechenden Infrastruktur als Projektbremse beschrieben.

Als weiterer zentraler Punkt wird die Bestandstauglichkeit genannt. Insbesondere bei unsanierten oder nur teilweise modernisierten Beständen werden hohe Systemtemperaturen als Problem beschrieben; in der Folge könne die Effizienz sinken oder es müssten bivalente Lösungen gewählt werden. Daneben tauchen wiederholt klassische Genehmigungsthemen auf: Denkmalschutz, Standortfragen, Lärmschutz (TA Lärm) sowie – bei geothermischen Lösungen – die Anforderungen und Genehmigungsfragen im Untergrund. Ergänzend wird auf den hohen Abstimmungs- und Datenbedarf hingewiesen: Bei landeseigenen Akteuren wird etwa beschrieben, dass fehlende oder unvollständige Gebäudedaten, zusätzlicher Steuerungsaufwand und der Bedarf an frühzeitigem Monitoring die Umsetzung erschweren.

Schließlich benennt die Anfrage auch sehr deutlich strukturelle Engpässe: Mehrere Bezirke verweisen auf Personalmangel, fehlende projektleitende Kapazitäten oder den allgemeinen Fachkräftemangel. Teilweise wird explizit gefordert, dass zur Umsetzung die personellen Ressourcen (z. B. Versorgungsingenieure) gestärkt und Mittel bereitgestellt werden müssten. In Summe macht die Schriftliche Anfrage damit deutlich: Der Wärmepumpenhochlauf in Berlin wird nicht nur durch die Technik im Gebäude begrenzt, sondern vor allem durch Koordinations-, Ressourcen- und Infrastrukturfragen – und diese werden von den Bezirken und landeseigenen Akteuren sehr konkret als Hemmnisse benannt.

Fazit

Die Anfrage zeigt: Der Wärmepumpen-Zubau nimmt Fahrt auf, aber die limitierenden Faktoren sind weniger „Wollen“, sondern Netzanschluss, Genehmigungen, Bestandstauglichkeit und Kapazitäten in Planung/Handwerk. Gleichzeitig ist die Daten- und vor allem Koordinationslage noch nicht dort, wo sie für einen skalierbaren Ausbau im Sinne einer wirklichen Wärmewende im Gebäudesektor sein müsste.