Wohnen auf Zeit unter Beschuss – Linke will „Neuköllner Modell“ auf ganz Berlin ausweiten
Und wieder grüßt die Debatte um Wohnformen mit Zeithorizont: In einer aktuellen Schriftlichen Anfrage befasst sich die Linksfraktion mit der Absicht, sogenannte Wohn-Zeit-Modelle wie Mikroapartments und Co-Living-Konzepte im Neubau einzuschränken. Besonders im Fokus: das sogenannte „Neuköllner Modell“, das bereits auf Bezirksebene versucht, temporäre Wohnformen weitgehend auszuschließen.
Hintergrund: Das Bezirksamt Neukölln setzt seit 2024 neue städtebauliche Leitlinien um. Mikroapartments und Wohnformen auf Zeit sollen dort – zumindest dort wo Befreiungen vom Baurecht zur Disposition stehen – nicht mehr genehmigt werden, um „traditionellen“ Wohnformen Vorrang zu geben. Bisher wurden dort vier Vorhaben mit 57 Wohnungen entsprechend vertraglich eingeschränkt.
Zunehmende Anwendung: Die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte und Reinickendorf begrüßen das Neuköllner Vorgehen ausdrücklich. Auch in Friedrichshain-Kreuzberg liegt ein entsprechender Antrag zur Umsetzung vor. Pankow, Tempelhof-Schöneberg und andere Bezirke haben sich teils noch nicht positioniert, warten aber z. T. auf gerichtliche Klärungen zur Auslegung einschlägiger Bauvorschriften.
Ziel: Einschränkung renditeorientierter Modelle. Die Linke kritisiert, dass Co-Living- und Zeiteinheiten im Wohnungsbau primär renditeorientiert seien und sozial nicht zur Stabilisierung von Kiezen beitragen würden.
BFW-Perspektive: Populistische Symbolpolitik gefährdet die Angebotsvielfalt
Wohnmodelle wie Mikroapartments oder Co-Living sind eine Reaktion auf reale Bedarfe – etwa von Young Professionals, Studierenden, Expats oder temporär Beschäftigten. In einem zunehmend angespannten Wohnungsmarkt bieten solche Konzepte flexible, flächensparende und oftmals bezahlbare Lösungen.
Ein generelles Misstrauen gegenüber diesen Wohnformen führt in der Praxis zu einer ideologischen Einschränkung der Nutzungsspielräume, erschwert wirtschaftlich tragfähige Projektentwicklungen und konterkariert wohnungspolitische Ziele, etwa die Senkung des Pro-Kopf-Flächenverbrauchs auf den begrenzten Flächen der Stadt, aber eben auch die Schaffung von Wohnraum für Studenten, Azubis und vorübergehend in der Stadt beschäftigte Arbeitskräfte.
Der Berliner Wohnungsmarkt braucht mehr Vielfalt, nicht weniger. Statt pauschale Verbote von Wohnformen, die sich für bestimmte Zielgruppen bewährt haben, sollte die Stadt auf kluge, differenzierte Konzepte setzen. Dazu zählen städtebauliche Verträge mit Augenmaß, klare Regelungen zur Mischnutzung und zielgruppenspezifische Förderinstrumente – auch für temporäre Wohnformen.
Hier gelangen Sie zur Schriftlichen Anfrage der Linksfraktion.