Berliner Ausbildungsplatzumlage: Strafabgabe statt Fachkräftesicherung?

Wirtschaft warnt vor pauschaler Belastung aller Unternehmen – auch ausbildungswilliger Betriebe

Die Berliner Landespolitik plant die Einführung einer sogenannten Ausbildungsplatzumlage. Was zunächst wie ein Beitrag zur Fachkräftesicherung klingt, ist in Wahrheit eine pauschale Strafabgabe für alle Unternehmen – unabhängig davon, ob sie selbst ausbilden oder nicht. Das Vorhaben geht auf den Berliner Koalitionsvertrag 2023–2026 zurück und könnte ab dem 1. Januar 2027 wirksam werden.

Was ist geplant?

Nach dem Gesetzentwurf sollen alle Berliner Unternehmen mit Beschäftigten ab einer bestimmten Bruttolohnsumme zur Kasse gebeten werden – selbst dann, wenn sie keine geeigneten Bewerber:innen finden oder rechtlich nicht ausbilden dürfen. Als Zielmarke gelten 2.000 zusätzliche Ausbildungsverhältnisse bis Ende 2025. Wird diese Marke nicht erreicht, greift das Umlagemodell.

Was bedeutet das für die Unternehmen?

Anhand des Referentenentwurfs lässt sich die voraussichtliche Belastung berechnen:

  • Ein Unternehmen mit 10 Beschäftigten müsste bei einem Umlagesatz von 0,5 % jährlich rund 2.400 Euro zahlen.
  • Für Betriebe mit 500 Beschäftigten können es schnell über 100.000 Euro im Jahr werden.
    Ein finanzieller Ausgleich erfolgt nur über pauschale Rückerstattungen pro Ausbildungsverhältnis – deren Höhe in vielen Fällen jedoch nicht ausreicht, um die realen Ausbildungskosten zu decken.

Die Kritik: Ziel verfehlt, Belastung hoch

Aus Sicht der Wirtschaft ist die Ausbildungsplatzumlage der falsche Weg:

  • Sie erzeugt keine zusätzlichen Ausbildungsplätze, solange das Matching-Problem auf dem Ausbildungsmarkt ungelöst bleibt.
  • Sie bestraft engagierte Betriebe, die bereits ausbilden oder Ausbildungsplätze mangels Bewerber:innen nicht besetzen können.
  • Sie schafft Fehlanreize, da es für Unternehmen günstiger sein kann, sich freizukaufen statt selbst auszubilden.
  • Sie wirkt standortgefährdend, insbesondere für kleine und mittlere Betriebe.
  • Sie verursacht zusätzliche Bürokratie, statt bestehende Angebote effizienter zu machen.

Unser Standpunkt

Die private Immobilienwirtschaft bildet bereits heute mit hohem Engagement aus – unter teils herausfordernden Rahmenbedingungen. Statt pauschaler Umlagen braucht es zielgerichtete Unterstützung, mehr Wertschätzung für Ausbildung, eine praxisnahe Berufsorientierung und vor allem bessere Vermittlungsprozesse zwischen Jugendlichen und Unternehmen.

Unser Appell an die Politik:

Fördern statt bestrafen. Berlin braucht Fachkräfte – aber keine Abgabe, die pauschal alle trifft.

Den von der IHK bereitgestellten One-Pager mit Rechenbeispielen und Detailinformationen finden Sie hier: