Baukosten ziehen weiter an – deutliche Preissteigerungen in Berlin und Brandenburg – Wo bleibt das Thema Bauen im aufziehenden Wahlkampf?
Vor allem Ausbaugewerke treiben die Entwicklung – Belastung für den Wohnungsbau bleibt hoch
Die Baupreise für den Neubau von Wohngebäuden sind zu Beginn des Jahres 2026 erneut spürbar gestiegen. Nach aktuellen Zahlen des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg lagen die Preise im Februar 2026 in Berlin um 4,9 % und in Brandenburg um 5,5 % über dem Vorjahresniveau. Damit hat sich die Baukostenentwicklung zuletzt wieder beschleunigt.
Ausbauarbeiten als Haupttreiber
Besonders deutlich zeigt sich der Preisanstieg im Bereich der Ausbaugewerke:
- In Berlin verteuerten sich Ausbauarbeiten um 6,1 %,
- in Brandenburg um 5,7 %.
Rohbauarbeiten entwickelten sich dagegen etwas moderater mit +3,3 % in Berlin und +5,3 % in Brandenburg.
Deutliche Preiszuwächse in einzelnen Gewerken
Ein Blick auf die Detailentwicklung zeigt teils erhebliche Kostensteigerungen:
- Zimmer- und Holzbauarbeiten: +7,9 % (Berlin), +9,5 % (Brandenburg)
- Estricharbeiten: +11 % (Berlin)
- Betonwerksteinarbeiten: +10,3 % (Brandenburg)
- Technische Gebäudeausrüstung (z. B. Elektro- und Sicherheitstechnik): bis zu +9,9 %
- Dämm- und Brandschutzarbeiten: rund +10 % (Brandenburg)
Lediglich einzelne Bereiche wie Stahlarbeiten blieben stabil bzw. leicht rückläufig.
Einordnung aus Verbandssicht
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, dass sich die Baukosten weiterhin auf einem hohen Niveau bewegen und zuletzt wieder dynamischer steigen. Für die Immobilienwirtschaft ergeben sich daraus mehrere zentrale Herausforderungen:
- Wirtschaftlichkeit bleibt unter Druck: Steigende Baupreise erschweren die Kalkulation von Neubauprojekten erheblich – insbesondere im bezahlbaren Wohnungsbau.
- Kostentreiber verlagern sich: Während sich Materialpreise teilweise stabilisiert haben, treiben nun verstärkt Ausbaugewerke und technische Anlagen die Kosten.
- Neubauziele geraten weiter unter Druck: Angesichts steigender Kosten und gleichzeitig hoher regulatorischer Anforderungen wird die Umsetzung geplanter Bauvorhaben zunehmend erschwert.
Fazit
Die Baukostenentwicklung bleibt ein zentraler Bremsfaktor für den Wohnungsbau. Ohne spürbare Entlastungen bei Bauvorschriften, Standards und Verfahren wird es kaum gelingen, die notwendigen Neubauziele zu erreichen und bezahlbaren Wohnraum in ausreichendem Umfang zu schaffen.
Blickt man auf die Gefechtslage im Vorfeld der Abgeordnetenhauswahl 2026 zeigt sich zugleich eine problematische Schwerpunktsetzung in der politischen Debatte: Bauen und Wohnen sind zwar zentrale Wahlkampfthemen, der Fokus vieler Parteien liegt bislang jedoch nahezu ausschließlich auf immer weitergehenden Eingriffen in das Mietrecht. Vorschläge zur Ausweitung von Mietregulierungen dominieren die Programme, während die eigentliche Schlüsselfrage – die Schaffung von neuem, bezahlbarem Wohnraum – zunehmend in den Hintergrund gerät.
Dabei ist klar: Nur ein spürbar ausgeweitetes Angebot kann mittel- und langfristig für Entlastung sorgen. Regulatorische Eingriffe allein lösen das strukturelle Defizit am Wohnungsmarkt nicht.
Positiv hervorzuheben ist, dass der Senat – insbesondere mit Initiativen wie dem Schneller-Bauen-Gesetz und „Einfach Bauen Berlin“ – bereits wichtige Impulse gesetzt hat, um Planungs- und Bauprozesse zu beschleunigen und Kosten zu senken. Demgegenüber bleiben die bisherigen Vorschläge aus Teilen der Opposition auffallend vage, wenn es darum geht, den Wohnungsneubau wieder in Gang zu bringen.
Es drängt sich der Eindruck auf, dass die politische Debatte an entscheidender Stelle verkürzt wird: Statt die komplexen Ursachen der Baukrise anzugehen, wird vielfach auf kurzfristig populäre Maßnahmen gesetzt. Für eine nachhaltige Verbesserung der Wohnraumsituation braucht es jedoch vor allem eines: mehr Bauen – und zwar wirtschaftlich tragfähig und planbar.