Entwurf des Stadtentwicklungsplans Wohnen sieht Wohnungsbaubedarf in Berlin von 194.000 Wohnungen bis 2030

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In der Sitzung des Begleitkreises zum Berliner Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030 (StEP Wohnen 2030) am 1. September 2017 wurde das vom Senat vorgestellte Mengengerüst für den Wohnungsbau in Berlin bis 2030 diskutiert. Danach sollen bis zu diesem Zeitpunkt insgesamt 194.000 Wohnungen fertiggestellt werden.

Die Zahl wurde auf der Grundlage der aktuellen Bevölkerungsprognose berechnet, die von 2017 bis 2030 einen Zuwachs von 157.000 Personen plus weiteren 24.000 Personen aus dem Flüchtlingssaldo vorsieht. In Verbindung mit einer durchschnittlichen Zahl von 1,75 Personen je Haushalt und einem Ersatzbedarf für Wohnungsabgang von 14.000 WE ergibt sich ein zusätzlicher Bedarf von 117.000 Wohnungen.

Darüber hinaus ergibt sich jedoch aus dem Zuzug von 201.000 Personen in den Jahren 2013 bis 2016 ein zusätzlicher Entlastungsbedarf von weiteren 77.000 Wohnungen. In Summe entsteht der genannte Neubaubedarf von 194.000 Wohnungen.

Im Hinblick auf die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung werden die meisten Neubauwohnungen in den kommenden Jahren gebraucht. Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass der Zuzug mittelfristig nachlassen werde. Bis 2021 ergibt sich aus der Bevölkerungsprognose ein Bedarf von jährlich 14.000 neuen Wohnungen. Um die Anspannung auf dem Wohnungsmarkt zu entschärfen, muss darüber hinaus der erwähnte Nachholbedarf abgebaut werden. Dafür sind bis zum Jahr 2030 jährlich 6.000 zusätzliche Wohnungen erforderlich. Das bedeutet aus der Sicht des Senats, dass bis zum Jahr 2021 20.000 Wohnungen pro Jahr, in der Summe also 100.000 Wohnungen in fünf Jahren, gebaut werden müssen.

Kommentar: Das vorgestellte Mengengerüst wirft Fragen auf. Der Landesverband hält den vom Senat angenommenen Rückgang des Zuzugs nach Berlin in dem prognostizierten Umfang für unwahrscheinlich und empfiehlt, durchgängig von einem höheren Nettozuwachs auszugehen. Unabhängig von den Grundannahmen besteht der Erkenntnisgewinn mit den vorgelegten Zahlen darin, dass sich der Senat erstmalig zu einem Jahresbedarf von 20.000 Neubauwohnungen bekennt. Im Koalitionsvertrag war diese Zahl ausgespart worden. Implizit und immer noch ein bisschen versteckt wird damit angesichts einer Kapazität von nur 6.000 Neubauwohnungen jährlich durch landeseigene Wohnungsbaugesellschaften die große Bedeutung der privaten Immobilienwirtschaft als Träger anerkannt. Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis muss nun sein, mit echten Angeboten auf die private Immobilienwirtschaft zuzugehen, um Anreize für den Neubau zu schaffen.